TV-Tipp zu Weihnachten: ''Nils Holgerssons wunderbare Reise'' - Gans Martin will mit Nils (Justus Kammerer) bis nach Lappland fliegen. / Foto: © NDR/Bremedia Produktion GmbH
So kann’s gehen, wenn ein kleiner Junge frech und faul ist und überdies die Tiere auf dem Bauernhof ärgert: Schnipp – schon wird er von einem Kobold in einen Däumling verwandelt. Und schwupp – schon sitzt er als Passagier auf dem Rücken der Gans Martin. Auf geht’s nach Lappland, ob er will oder nicht.
Die Geschichte von Nils Holgersson, der erst eine andere Gestalt annehmen muss, um die Sprache der Tiere und die Welt zu verstehen, wurde nun fürs Fernsehen verfilmt und sorgt an zwei Weihnachtsnachmittagen für Höhepunkte im Programm – ein Fest für Augen und Ohren: Das zarte Gänschen Daunenfein schnattert mit der Stimme von Yvonne Catterfeld, Martin klingt nach Bastian Pastewka, die resolute Leitgans Akka wird von Katja Riemann gesprochen.
"Es war einmal ein Junge …". So fängt Selma Lagerlöfs berühmte Geschichte an. Die Parabel vom Lausbuben, der auf eine lange Reise geht, um verändert zurückzukommen, ist spannend und lehrreich zugleich. Denn so aufregend es sein mag, auf dem Rücken einer Gans über Schweden zu fliegen, so sehr nagen an Nils das Heimweh nach den Eltern und die Angst, für immer Zwerg zu bleiben. Trost und Ablenkung findet er bei den Tieren. Neben Gänserich Martin und seinen gefiederten Freunden ist das Smirre, der Fuchs, der bei Einbruch der Dunkelheit ums Gehege schnürt.
Doch wie bringt man einen Fuchs dazu, im Film auf Befehl die Gans zu stehlen? Eine Herausforderung für Tiertrainer Marco Heyse. Die drei kleinen Füchse, die er mit der Flasche großzog und ausbilden wollte, dachten nicht daran, auf sein Kommando zu hören. "Sie haben eine angeborene Scheu vor fremden Dingen und Menschen. Hier ist das genetische Gedächtnis stärker als das gelernte." Erst als Heyse Füchse aus einer russischen Zucht erwarb, die über Generationen hinweg zahme Tiere aufgezogen hatte, gelang das Training.
Auch die Gänse wurden von klein auf geschult. Heyse spielte dabei Leitgans, die Kleinen folgten ihm auf Zuruf. Die begabtesten tierischen Stars sind aber die Raben. "Es ist einfach, mit ihnen zu arbeiten, weil sie förmlich nach Aufgaben suchen."
Nils Holgersson wird von dem 14-jährigen Justus Kammerer gespielt: ein Berliner Schüler, begabter Fünfkämpfer und vor der Kamera schon ein alter Hase. "Es war eine Ehre für mich, Nils zu spielen", sagt Justus, der für die Dreharbeiten zwei Monate in Schweden verbringen durfte. Das Märchen vom kleinen Jungen, der geläutert von seiner großen Reise zurückkehrt, geht natürlich gut aus.
Auch für die Filmgänse gab es ein "Happy End": Schauspieler Hinnerk Schönemann, der Nils’ Vater verkörpert, übernahm zwei von ihnen für seinen Bauernhof im Örtchen Plau in Mecklenburg-Vorpommern. Dort finden "Martin" und "Veronika" jetzt großen Gefallen daran, laut schnatternd Besucher zu verjagen und den Hausherrn in den Hosenboden zu zwicken. Großes Kino eben. Darauf sind sie trainiert.
Autor: Angela Meyer-Barg