Bei "The Voice of Germany" müssen die Kandidaten mit ihrer Stimme überzeugen. Die prominenten Paten sind Sascha "Hoss Power" Vollmer, Nena, Alec "Boss Burns" Völkel, Rea Garvey und Xavier Naidoo (v.l.n.r.). - Foto © Sat.1/ProSieben
Ein junger Mann betritt die Bühne. Er trägt Jeans, Turnschuhe, einen lässigen Hut. Im Publikum wird es leise, als die Band die ersten Takte von Tim Bendzkos "Nur noch kurz die Welt retten" anspielt. Heiko (18) legt los, folgt dem Rhythmus. Er trifft den rotzigen Unterton des Songs. Das Publikum geht mit. Lässige Nummer, lässige Stimme, lässiger Typ – eine runde Sache.
Für die "Coaches" Xavier Naidoo, The BossHoss, Nena und Rea Garvey ist der Fall nicht ganz so klar. Sie sitzen mit dem Rücken zur Bühne, sehen den Künstler nicht, müssen sich auf ihr Gehör verlassen.
Diese Coaches suchen die Stimme Deutschlands
Bei "The Voice of Germany", so betonen die Macher, gibt es keine Jury. Stattdessen sollen Coaches neue Talente mit ihrer Erfahrung groß rausbringen. Von Nena, Star der Neuen Deutschen Welle, bis zum Soulphänomen Xavier Naidoo prägen Spitzenmusiker das Team:
1. Xavier Naidoo
Der Soulsänger spielt seit Jahren in der ersten Liga deutschsprachiger Musik. Seine Alben sind mit Platin ausgezeichnet. "Ich wünsche mir eine Stimme mit eigenen deutschsprachigen Liedern", so Naidoo, "sie soll wahr und authentisch sein!"
2. The BossHoss
2004 gründeten Alec "Boss Burns" Völkel und Sascha "Hoss Power" Vollmer die siebenköpfige Band. Der Country-Rock-’n’-Roll-Sound der Band ist in Deutschland einzigartig. Auch ihren Talenten raten die beiden, sich nicht zu verbiegen.
3. Nena
"99 Luftballons" machte sie zum Superstar, bis heute verkaufte sie mehr als 25 Millionen Tonträger. Bei den "Blind Auditions" hielt sie sich zurück: "Ich habe nicht so um Kandidaten gekämpft wie die Jungs. Ich möchte die Leute nicht beeinflussen!"
4. Rea Garvey
Der Frontsänger der Band "Reamonn" veröffentlichte jetzt auch sein erstes Soloalbum. Der Ire legte sich bei den "Blind Auditions" richtig ins Zeug, um Kandidaten für sich zu gewinnen. "Ich gab alles, um meine Sänger nach vorne zu bringen."
Rea Garvey drückt als Erster den roten Knopf, der alles entscheidet, den sogenannten Buzzer. Dann drückt auch Xavier Naidoo. Ihre Sessel drehen sich Richtung Bühne. Heiko kann aufatmen: Zwei Coaches hat er mit seiner Stimme überzeugt. Jetzt darf er entscheiden, welcher von beiden ihn im weiteren Verlauf der Sendung betreuen soll.
Castingshows setzen sich gern hohe Ziele: Es werden Popstars oder sogar Superstars gesucht, Sänger mit dem gewissen Etwas, dem dem "X-Factor". Dass das gar nicht so einfach ist, mussten viele Gewinner dieser Shows schmerzlich erfahren. Mit "The Voice of Germany" (ab 24.11., 20.15 Uhr, immer donnerstags auf ProSieben und freitags auf Sat.1) soll sich das alles ändern.
Zwar ist auch diesmal das Ziel ambitioniert – schließlich wird nichts Geringeres gesucht als "Stimme Deutschlands". Aber der Weg dahin soll anders sein, wie Erfinder und Erfolgsproduzent John de Mol erklärt: "Unsere Coaches sind etablierte Gesangsgrößen, die der Show die nötige Glaubwürdigkeit geben. Und: Bei uns wird in erster Linie nicht aufs Aussehen, sondern auf die Stimme geachtet."
"The Voice of Germany": Hochkarätig besetzt
Nach jahrelangem Veralbern der Kandidaten habe das Publikum wieder Lust auf echtes Talent, meint de Mol. Gesangseinlagen mit Fremdschämpotenzial gibt es nicht. Wer es zu den "Blind Auditions", zum "blinden Vorsingen", geschafft hat, musste sein Können schon einmal unter Beweis stellen.Gefällt einem Coach, was er da hört, drückt er den Buzzer auf seinem Pult und darf den Künstler sehen. Der ist dann automatisch in seinem Team. Haben sich mehrere Coaches umgedreht, hat der Sänger die Wahl.
In den "Battles", der nächsten Stufe der von Stefan Gödde moderierten Show, schickt ein Coach seine Kandidaten gegeneinander ins Gesangsduell und wählt am Ende sechs Künstler aus. In den "Liveshows" entscheiden anschließend Zuschauer und Coaches, wer ins Finale kommt. Ein Künstler aus jedem Team hat die Chance.
In John de Mols Heimat Holland erzielte "The Voice of Holland" in der ersten Staffel 2010 knapp 50 Prozent Marktanteil bei den 20- bis 49-Jährigen; in der zweiten Staffel bis zu 60 Prozent. Die Show wurde bislang in 30 Länder verkauft. Auch in Deutschland sind die Coaches hochkarätig (siehe oben). Mit Xavier Naidoo, der die Öffentlichkeit bislang mied, gelang sogar ein Überraschungscoup. "Man kennt mich halt nicht", sagt er, "aber ich liebe Castingshows. Schon weil ich an neuen Stimmen interessiert bin." Sein Ziel: echter Livemusik einen Platz im TV zu schaffen.
John de Mol, TV-Produzent und "The Voice"-Erfinder im FUNK UHR-Interview
Man könnte ja meinen, die TV-Zuschauer haben mittlerweile genug von Castingshows. Vermeintliche Superstars schießen wie Pilze aus dem Boden, dazu kommen Topmodels, Popstars, Supertalente. Worauf es bei allen ankommt, was aber nur wenige wirklich besitzen: Talent. Und das kann man sich eben nicht mit Make-up oder hippen Klamotten erkaufen. Genau deswegen kommt es bei "The Voice of Germany" (ab 24.11., 20.15 Uhr, immer donnerstags auf ProSieben und freitags auf Sat.1) nicht auf Äußerlichkeiten an, sondern wie es der Titel verrät, auf die Stimme.
TV-Produzent und "The Voice"-Erfinder John de Mol verrät im Interview mit FUNK UHR Pläne und Erfolgsrezepte:
FUNK UHR: In Holland brach "The Voice" alle Rekorde. Spielt es da für Sie noch eine Rolle, wie die Show hier läuft?
John de Mol: Ja, denn wenn man sich an Erfolge gewöhnt, ist es an der Zeit aufzuhören – ich bin noch hungrig!
FUNK UHR: Wie kamen Sie auf die Idee zu "The Voice"?
John de Mol: Uns fehlten prominente Kandidaten für die Show "Ich liebe Holland" – deren deutsche Version moderiert Jürgen von der Lippe. Wir dachten an ehemalige Teilnehmer von Castingshows, aber die waren alle in der Versenkung verschwunden. So kamen wir auf die Idee einer Musikshow, die auf lange Sicht erfolgreiche Künstler hervorbringt..
FUNK UHR: Hatten Sie auch mal Ideen, die sich nicht umsetzen ließen?
John de Mol: Wenn ich sage, etwas wird gemacht, dann wird’s gemacht! Ich besitze drei holländische Sender. Wenn etwas da funktioniert, geht's in alle Welt.
FUNK UHR: Die holländischen Zuschauer sind sozusagen Ihre Versuchskaninchen?
John de Mol: Genau! Am Anfang dachte ich, der kleine holländische Markt würde mich einschränken, aber es ist genau umgekehrt.
FUNK UHR: Wie kann ein und dasselbe Format rund um den Globus funktionieren?
John de Mol: Das Showkonzept ist ja nur das Skelett. Dann sind kulturelle Vorlieben ganz wichtig! Italiener etwa sind es gewohnt, dass ein Moderator 20 Minuten braucht, um "Guten Abend" zu sagen. Wir Nordlichter kommen schneller auf den Punkt. Außer bei "Wetten, dass..?".
FUNK UHR: Apropos: Wie soll’s Ihrer Ansicht nach bei "Wetten, dass ..?" weitergehen?
John de Mol: Vielleicht sollte Günther Jauch übernehmen – einer der besten Moderatoren überhaupt!
FUNK UHR: Welche neuen TV-Formate haben Sie derzeit in Planung?
John de Mol: Im Moment rollt eine Retrowelle auf uns zu. In Holland starten wir wieder "Nur die Liebe zählt" und "Verzeih mir". Mehr kann ich leider nicht verraten.
FUNK UHR: Vielen Dank, John de Mol, für das Interview.
Autor: Jasmin Henning; Interview: Jasmin Henning / Dirk Oetjen